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Keramikfliesen: Feinsteinzeug, Steinzeug und Steingutfliesen

Wie unterscheiden sich Fliesen aus Keramik?

Fliesen oder Keramikfliesen sind als Wand- oder Bodenbelag sowohl im Innenraum als auch im Außenbereich gleichermaßen bekannt wie beliebt. Auch als Arbeitsfläche oder Fenstersims sind Keramikfliesen immer gerne gesehen. Doch Fliese ist nicht gleich Fliese. Bei der Keramik gibt es im wahrsten Wortsinne ‚feine’ Unterschiede. Ob Grobkeramik oder Feinkeramik – die Unterschiede entstehen bereits im Herstellungsprozess und gehen bei Keramik immer auf die Rohstoffzusammensetzung und die Feinheit der Körnung zurück. Auch die Brenntemperatur spielt eine wesentliche Rolle, ebenso wie das Verfahren zur Formung von Keramikfliesen.

Keramikfliesen: Herstellung und Formgebung

Keramikfliesen erfreuen sich vor allem aufgrund ihrer robusten und gesunden Eigen-schaften großer Beliebtheit. Kaum ein Baumaterial ist natürlicher als Keramik – die verwendeten Rohstoffe sind mehr oder weniger seit Jahrtausenden unverändert: Hauptwerkstoff in der Herstellung von Keramikfliesen ist Ton, demmineralische Zuschlagstoffe wie Quarz, Feldspat oder Kaolin, mitunter auch Kalzit oder Flussspat beigemischt werden. Dabei gilt: Je runder die Körner, desto geringer ist die zu erwartende Festigkeit der Keramikfliese. Das wiederum hat den Effekt, dass die Fliese beim Brennvorgang weniger schrumpft. Abgesehen vom handgefertigten Cotto unterscheidet man bei der Formgebung das Strangpressverfahren und die Pulverpressung. Bei der letzten Anwendung lässt sich das Keramikpulver mithilfe hohen Drucks in Formen pressen und anschließend brennen, während beim Strangpressen durch sogenannte Extrusion ein Strang hergestellt wird. Aus diesem Band werden Einzel- oder Doppelfliesen, sogenannte Spaltklinker, in Fliesengröße zerteilt.

Keramikfliesen unterschieden: Feinkeramik versus Grobkeramik

Abgesehen vom Herstellungsverfahren lassen sich Keramikfliesen zusätzlich, nämlich in Feinkeramik und in Grobkeramik unterscheiden. Wie vermutet bestimmt die Körnung des Rohstoffgemischs darüber, ob eine Keramikfliese der Grob- oder der Feinkeramik zuzuordnen ist. So ist eine grobe Körnung die Grundlage zur Herstellung von Grobkeramik, die wiederum in Terrakotta, Klinker oder Spaltplatten unterteilt wird. Feinkeramik hingegen unterscheidet je nach Wasseraufnahmekapazitäten Feinsteinzeug von Stein-zeug und Steingutfliesen.

Feinkeramik: Feinsteinzeug, Steinzeugfliesen und Steingutfliesen im Vergleich

Alle drei Fliesenvarianten gehören zur Kategorie der Feinkeramik. Doch wo liegen die Unterschiede zwischen Steinzeug, Feinsteinzeug und Steingut? Ein kurzer Überblick.

Zur Herstellung von Feinsteinzeug wird auf extrem fein gemahlene Rohstoffe gesetzt, die während der Produktion unter hohem Druck in eine Fliesenform gepresst werden. Das hat den Effekt, dass die Inhaltsstoffe beim Brennvorgang sehr dicht zusammen schmelzen, was wiederum die feine Struktur von Feinsteinzeug ausmacht. Und je dichter die Masse beziehungsweise je geringer die Porosität, desto robuster ist das Material. Feinsteinzeug ist damit eine widerstandsfähige Keramikfliese, die im direkten Vergleich zu anderen Keramikfliesen mit weniger als 0,5 Prozent des Eigengewichtes die geringste Wasseraufnahmebereitschaft zeigt. Aufgrund seiner strapazierfähigen Eigenschaften findet sich Feinsteigzeug, glasiert oder unglasiert, vorwiegend in Bereichen, die einer hohen Nutzung ausgesetzt sind. Das betrifft öffentliche Räumlichkeiten ebenso wie Terrassen oder Wege.

Gänzlich andere Eigenschaften weisen Steingutfliesen auf: Ihre Struktur ist extrem grobporig. Ein Merkmal, das auf die niedrige Brenntemperatur zurückzuführen ist. Aufgrund dieser Porosität verfügen Steingutfliesen mit mehr als zehn Prozent des Eigengewichtes im Gegensatz zum Feinsteinzeug über die höchste Wasseraufnahmebereitschaft, was Steingutfliesen im Prinzip nur für den Innenbereich attraktiv macht. Im Außenbereich würden sie bei Frost springen. Ein Vorteil gegenüber Feinsteinzeug, das sich aufgrund der enormen Dichte schwerer verarbeiten lässt, ist die weichere Grundfestigkeit von Steingut. So lässt sich Steingut ohne Probleme zuschneiden und weiter bearbeiten, gleichzeitig ist die Steingutfliese jedoch weniger robust. Aufgrund der geringeren Stabilität eignen sich Steingutfliesen daher optimal als Wandbelag, für den Bodeneinsatz sollten entsprechend dick produzierte Varianten der Steingutfliese zum Einsatz kommen. Was die Glasur betrifft, findet man häufiger glasierte Steingutfliesen, was sie besser vor äußeren Einwirkungen schützt.

Auch Steinzeugfliesen, nicht zu verwechseln mit Steingut, sind eine Ausprägung der Feinkeramik. Was Brenntemperatur, Struktur und Wasseraufnahmebereitschaft betrifft sind Steinzeugfliesen jedoch eher mit Feinsteinzeug vergleichbar. Denn auch Steinzeugfliesen sind frostsichere, feinporige Fliesen, die sich im Außeneinsatz ebenso wie als Wandkachel bewiesen haben.

Grobkeramik: Spaltplatten, Terrakotta und Klinken im Vergleich

Der Hauptunterschied zwischen Grobkeramik und Feinkeramik liegt in der Formgebung: Feinkeramik wird gebrannt, nachdem sie zuvor in eine Form gepresst wurde. Grobkeramik wiederum wird beispielsweise in Form von Spaltplatten in einem endlosen Strang hergestellt und im Anschluss in die gewünschte Form geschnitten. Rücken an Rücken gebrannt, werden Spaltplatten nach dem Brennvorgang ‚gespalten’. Spaltplatten sind frost- wie säurebeständig und dank ihrer robusten Eigenschaften im Außenbereich gern gesehen. Allerdings variieren sie aufgrund des Materialschwundes während dem Brennen in Form und Größe – breite Fugen schaffen hier optisch Harmonie.

Bei Terrakottafiesen leitet sich der Name von der Farbgebung ab, die rohstoffbedingt im rötlichen Bereich liegt. Terrakottafliesen sind ein witterungsanfälliger und damit nur im Innenraum passender Bodenbelag. Hier zählen Terrakottafliesen allerdings – da unglasiert, hoch porös und damit wasseraufnahmefähig – zu den eher anspruchsvollen und pflegeintensiven Keramikfliesen. Ganz anders Klinker. Die im Strangpressverfahren produzierte Grobkeramik besteht aus unterschiedlichen Tonarten, ist dicker als Terrakotta und Spaltplatten und extrem witterungsbeständig. Klinker, der übrigens eine größere Maßtoleranz hat als Feinkeramik, wird hauptsächlich im schwer beanspruchten Außenbereich sowie an Wänden eingesetzt. Speziell Punktlasen können Klinkerplatten gut abfangen.

Bildquelle:
KERMOS: Forever Stone