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Aus der Praxis: Raumwirkung – eine Frage von Format

Die Wahl des passenden Fliesenformats

Fliesenformat und Raumgröße arbeiten Hand in Hand, schließlich tragen Fliesen in Form und Größe entscheidend zur Raumwirkung bei. Sind die Proportionen der Grundrissarchitektur eher subotimal, können Fliesen für mehr Harmonie eines Raumes sorgen: Das passende Format vorausgesetzt, schaffen sie einen optischen Ausgleich bei schwierigen Größenverhältnissen. Genauso gut jedoch können sie diese auch negativ verstärken. Für die Gestaltung mit verschiedenen Fliesenformaten und Verlegearten ist daher entscheidend, welchen Effekt diese auf das Gesamtbild des betreffenden Raumes haben. Das erfordert Erfahrung.

Fliesenformate und ihre Wirkung im Raum

Ob kleinformatige Mosaikfliese oder XXL-Format, Quadrat, Rechteck oder Sechseck, Kreuzfuge, Verband oder Querverlegung – neben Geschmack und Raumnutzung steht auch die Frage nach der Raumwirkung am Anfang Ihrer Fliesenplanung. Als Faustregel haben sich große Fliesen gegenüber kleinen Mosaikfliesen durchgesetzt, wenn es um eine ruhige Raumwirkung geht. Gleiches gilt für rechteckige Fliesen gegenüber ausgefallenen Sonderformen. Für das kleine deutsche Durchschnittsbadezimmer von etwa 6 bis 9 qm (Baunetzwissen.de) mit einem beispielhaften Grundriss von 2,40 m x 3,60 m x 2,50 m (BLH) haben sich folgende Erkenntnisse etabliert: Eine Diagonalverlegung mit quadratischem Format von 40 x 40 cm sorgt in kleinen schmalen Räumen für ein unruhiges Bild. 30 x 60 cm große, quer verlegte Fliesen wiederum geben eine feste Richtung vor, indem sie einen schmalen Raum rein optisch verbreitern und somit in der Länge verkürzen. Harmonischer wirkt derselbe Raum, wenn die Länge durch eine Längsverlegung unterstrichen wird. Der Grund ist die Perspektive, die das rechteckige Fliesenbild nahezu quadratisch erscheinen lassen.

So kommen kleine Räume groß raus

Oftmals sind es die Badezimmer und Gäste-WCs, die optisch zu schmal oder kurz erscheinen, doch auch Küchen können an Charme einbüßen: Gerade bei Gebäuden älteren Baujahrs war der offene Wohn- und Essbereich inklusive Küche noch kaum bekannt bzw. gewollt, viele Küchen fristen ein schlauchiges Dasein.

Eine grundsätzlich gültige und simple Maßnahme, die Proportionen kleiner Räume optisch zu harmonisieren ist, für Wand- und Bodenfliesen ein einheitliches Format zu wählen. Fliesen im Halb- oder Drittelverband vergrößern optisch, vor allem mit möglichst großen, im Raum harmonisch wirkenden Formaten. Und schmale Fugen, wie sie beispielsweise durch Fliesen mit kalibrierten Kanten entstehen, bilden ein flächiges Verlegebild. Eine großzügige Optik ist das Ergebnis. Hinsichtlich des Verlegemusters gilt: Horizontal verlegte rechteckige Wandfliesen lassen sehr schmale Räume breiter wirken, in die Vertikale verlegt wirken sie einer niedrigen Raumhöhe entgegen, wenn die Fugen senkrecht durchlaufen. Einmal mehr trifft dies auf die hintere Wand eines schmalen Raumes zu.

Apropos Fugenbreite: Immer wieder stößt man auf die Empfehlung, dass große Fliesen einen kleinen Raum optisch vergrößern. Auch wenn das zutreffen kann, weitaus wichtiger ist es, die Fliesengröße im Kontext zu betrachten, Fugen spielen hier neben Verlegeart, Farbe oder Oberfläche eine wichtige Rolle. So können dunkle Fugen einen kleinen Raum trotz großer Fliesen nach wie vor klein wirken lassen, während kleine Formate mit einem hohen doch hellen Fugenanteil diesen Raum optisch vergrößern. Natürlich bestätigen auch bei diesem Richtwert die Ausnahmen die Regel: Sie muss immer in Abhängigkeit mit dem Fliesenverband, dem Fliesenformat und der jeweils gewählten Fugenbreite betrachtet werden.

Großformatige Fliesen sorgen für eine kompakte Raumoptik

Groß ist nicht immer besser, so wirken gerade sehr langgezogene große Räume noch länger, wenn sie kleinformatig verfliest werden. Um kompakter zu erscheinen, eignen sich die derzeit beliebten Großformate besonders gut. Genau wie bei zu kleinen schmalen Räumen zieht die Querverlegung rechteckiger Fliesenformate den Raum gekonnt in die Breite.

Auswirkungen auf den Raum

Es gibt viele Möglichkeiten, mit Fliesen auf die Proportionen eines Raumes einzuwirken. In der Planungsphase ist es daher sinnvoll, 3D-Planungsbeispiele im Grundriss beziehungsweise entsprechende Wandansichten zu simulieren, um die Wirkung der ausgewählten Fliesen zu verdeutlichen. Wichtig dabei ist auch die Berücksichtigung der geplanten Einrichtungen, Armaturen und Anschlüsse, weshalb alle am Bauprozess beteiligten Gewerke mit einbezogen werden sollten. Gleiches gilt für die Beleuchtung. Manchmal stehen aber auch ganz andere Anforderungen wie Sicherheit und Barrierefreiheit im Vordergrund. So oder so: Gute Planung ist die halbe Miete!